1. Vorbereitung

Wer ankommen will, muss sich auf den Weg machen! Und wer so eine große und weite Reise unternehmen möchte wie wir, d. h. Michael, Daniel, Steffi und Julia, der wird nicht umhin kommen, sich ausgiebigen, langwierigen und manchmal auch eher entmutigenden Reisevorbereitungen gegenüber zu sehen.

Doch erst einmal musste sich unsere "kleine" Gruppe finden. Geplant hatten sowohl die Jungs als auch wir Mädels, den weiten und scheinbar grenzenlosen Kontinent Amerika zu erkunden. Daniel plante, Michael den "Wilden Westen" zu zeigen, den er vor ca. 2 Jahren auf seiner 3 - monatigen Fahrradtour selbst durchradelt hatte. Wir, d. h. Steffi und ich (Julia), planten schon seit dem 21.2.1998, nämlich dem Tag unserer Rückkehr von unserem 6 Monate langen Aufenthalt in Kanada, wiederzukommen. Es mag wohl eher Zufall oder Schicksal gewesen sein, dass die beiden Parteien zusammengekommen sind. Jedenfalls hörte ich eines Tages von den Plänen der Jungs und so war es nach anfänglichen Überlegungen zu einer Tatsache geworden, dass wir uns gemeinsam auf den way up north machen würden - nach Alaska und den Nordwesten Kanadas. Michael war neben uns drei "Amerikabereisten" das greenhorn der Gruppe, aber auch für uns war das hohe Nordland Alaskas und das rauhe, wilde hinterland Kanadas noch unbekanntes Gebiet.

Jedoch ist es gar nicht so leicht, dem Ruf der Wildnis zu folgen, wie wir bald feststellen mussten. Schon die Beschaffung der Flugtickets gestaltete sich problematischer als gedacht, da es für den in Frage kommenden Zeitraum der Abreise entweder gar keine, zu teuere oder nur Tickets zu ungünstigen Ausgangsflughäfen in den USA gab. Nach langem Hin und Her waren wir froh, Tickets für den 23.8.1999 vom Flughafen Dresden für ca. 1200,- DM bekommen zu haben. Der Haken war nur, dass die Destination des Fluges nicht etwa Alaska oder wenigstens Vancouver oder Edmonton, die ca. 3000 km von Alaska entfernt gewesen wären, hieß, sondern Denver / Colorado (CO). Denver liegt ungefähr zusätzliche 3000 km also insgesamt 6000 km von der Alaskanischen Grenze entfernt und die Frage stellte sich, ob solch eine lange Anreise bei einem knapp 7 - wöchigen Aufenthalt Sinn machte und überhaupt finanzierbar war. Da wir uns von Anfang an für eine Reise mit einem gemieteten Auto entschieden hatten, sollten die zusätzlichen Kilometer bei den niedrigen Benzinpreisen kein Hindernis sein - die Automietung jedoch schon! Es gibt wirklich nur wenige Autovermietungen, genauer gesagt nur eine, nämlich "America Cruise and Travel", die es jungen Leuten unter 25 möglich macht, ein Auto für halbwegs erschwingliche Preise zu mieten. Außerdem war die Anmietung in Denver bei dieser Firma die günstigste Variante in ganz "Amiland". Kurzzeitig überlegten wir, uns wieder ein Auto zu kaufen und anschließend zu verkaufen, wie wir es vor 2 Jahren in Kanada gemacht hatten. Doch mit Hinsicht auf die kurze Zeit, die wir haben würden, um es wieder zu verkaufen, verwarfen wir diese Idee. Die Dinge schienen also doch noch zusammenzukommen, ein günstiger Flug und ein relativ günstiges Auto ( 981,64 DM pro Person für 44 Nächte). Wir buchten die Tickets und mieteten uns einen geländegängigen 4 - WD Ford Explorer, der in den Hochglanzprospekten wirklich umwerfend aussah und unsere Träume von einsamen, holprigen Straßen im Norden des Kontinentes in greifbare Nähe rücken ließ.

Damit waren die Fixpunkte des Unternehmens bestimmt und nun folgten die übrigen Vorbereitungen. Die camping - technische Ausrüstung wurde besprochen und zusammengestellt, denn schließlich wollten wir zelten, und jeder fing an seine persönlichen Sachen zu packen und zu verstauen. Das unbestrittenes highlight der Ausrüstung waren die Schlafsäcke. Wir alle hatten in Neue investiert, denn die Temperaturen in den subarktischen bis arktischen Breiten wollte keiner von uns unterschätzen. Als wir dann merkten, dass sie allesamt von der gleichen Firma waren und sogar die gleiche Farbe hatten, waren die folgenden Verwechslungsorgien im Zelt schon vorprogrammiert. Ganz sicher waren wir uns bei 4 Leuten nie, ob jeder an alles ihm zugeteilte und für die Gruppe Wichtige gedacht hatte, zumal die Jungs 2 Tage vor Abreise noch eine Riesengeburtstagsparty steigen ließen und wenig bei der Sache zu sein schienen, aber wir trösteten uns mit dem Gedanken an die riesigen outdoor stores in Denver, von denen uns Daniel schon berichtet hatte.

Wir waren bereit und wenn es das Flugzeug denn auch war, sollte es nun endlich losgehen.

Alaska - the last great race!