10. Wochenende auf AlaskanischFairbanks / AK nach Chena Hot Springs / AKEs ist 10.00 Uhr, später als sonst kriechen wir aus dem Zelt. Wir haben zum ersten Mal seit Denver wieder seelenruhig geschlafen, ohne Angst vor Bären haben zu müssen. Direkt am Stadtrand und in der Einflugschneise des Flughafens ist die Chance gering, dass sich ein Bär hierher verirrt. Bevor wir aufbrechen, machen wir Wäsche, duschen und beseitigen die Dreckkruste an unserem Auto. 12.30 Uhr machen wir uns auf den Weg zu den 100 km entfernten Chena Hot Springs. Was wir nicht wissen ist, dass dieses Wochenende Labour Day Weekend ist. Die Alaskaner sind im Jagdfieber oder in Wanderlaune und alle scheinen mit uns zu den hot springs fahren zu wollen. Zu beiden Seiten der Straße stehen Autos, die eindeutig Jägern zugeordnet werden können. Man lässt die pick ups am Waldrand stehen und begibt sich zu Fuß, zu Pferd oder mit kleineren Fahrzeugen auf die Jagd nach caribous, Elchen oder anderem Wild. Es ist Volkssport und eine absolute Normalität, dass man in der hunting season loszieht und sich den Fleischvorrat für den Winter schießt. Es ist legal für jeden Alaskaner und es bedarf keiner besonderen Genehmigung. Als Spaziergänger im Wald kann es da schon gefährlich werden. An den heißen Quellen selbst ist ein Begängnis wie auf einem großen Volksfest, die Schwimmbecken sind übervölkert, so dass man sich kaum drehen und wenden kann. Nichts für uns auf jeden Fall. Unter einem riesigen Zelt mit einem überdimensionalen Grill in der Mitte finden wir ein Angebot für ein all - you - can - eat BBQ. Das ist wohl die beste Erfindung hier in Amerika. Man bezahlt einmal und kann dann den ganzen Tag essen, bis man umfällt: von gegrilltem Hühnchen, Brötchen, einer Unmenge von Salaten, Bohnen, Mais und Getränken alles, was der hungrige "Reisemagen" wünscht. Für $ 9 sind wir dabei und schlagen uns die Bäuche voll, bis sie platzen. Zusätzlich wandert das eine oder andere heimlich in Steffis Umhängetasche, aber wir haben schließlich auch dafür bezahlt. Gegen Abend schlagen wir unser Lager auf dem wenige Kilometer entfernten Red Squirrel Campground auf. Eichhörnchen finden wir keine, aber dafür einen See umgeben von gelb - rötlichen Herbstbäumen. Die Jungs entdecken eine Biberfamilie, die damit beschäftigt ist, den Zufluss des Sees mit einem Damm zu blockieren. Während sie sich 4 (!) Stunden auf die Pirsch begeben, um einige Fotos zu schießen, unterhalten wir uns inzwischen mit Schweizern, die auch hier zelten. Es wird ein lustiger Abend am Lagerfeuer. Sie berichten vom Denali Nationalpark, den vielen Bären, die sie gesehen haben, und machen uns richtig den Mund wässrig. Bisher haben wir zwar hinter jedem Baum einen Bären vermutet, aber gesehen haben wir leider noch keinen. Daniel und ich schlafen im Auto, die anderen im Zelt. Wir lassen uns nach zwei Stunden aber wecken um die Polarlichter zu betrachten. Diese sind am besten gegen 1 - 4 Uhr morgens zu sehen, wenn es sehr kalt und klar ist. Wir haben Glück und bekommen ein tolles Spektakel geboten. Leider können wir die Augen nicht sehr lange offen halten und dösen wieder weg, ganz im Gegensatz zu Michael, der die halbe Nacht im Schlafanzug und mit seiner Kamera gerüstet draußen hin und her hüpft. Am nächsten Morgen beschließen wir, eine Wanderung zu machen, um nachher noch mal dem all - you - can - eat zu frönen. Auf einem kleinen Wanderweg (das ist wirklich eine Seltenheit in Alaska, meistens muss man sich den Weg durch die Wildnis selber suchen) kommen wir zu den Angel Rocks. Der 3 - stündige Weg hat sich gelohnt - super Aussicht über das Tal. Kurz vor dem Platz, an dem wir unser Auto abgestellt haben, treffen wir auf eine weitere amerikanische Besonderheit. Mitten im Wald sitzt eine junge Studentin und befragt die Wandernden nach ihrer Zufriedenheit mit dem trail. Für die Kooperation gibt es Schokoriegel und Getränke. Verrückt! Im Grillzelt ist heute Hamburger - Tag. Wir stopfen soviel wie möglich rein und plötzlich ist es soweit - ein Schwarzbär. Er kommt direkt hinter einer Blockhütte vorgetrottet, tapst über die Wiese, um am Bach zu trinken. Er zieht selbstverständlich alle Blicke auf sich. Den Müttern ist es nicht ganz geheuer, die Väter und Großväter packen alte Bärengeschichten auf den Tisch, in denen die Bären von einer zur anderen Geschichte immer größer und gefährlicher werden, und die Kinder sind beeindruckt (Wir natürlich auch!). Nachdem er allen gezeigt hat, wie schnell man auf einen Baum klettern kann, verschwindet er im Wald. Wir übernachten auch heute auf demselben Zeltplatz. |