14. Blaues EisAnchorage / AK nach Seward / AKDie Nacht war sehr laut, wir zelten ja auch inmitten der Stadt, und nach einem Frühstück im kitchen shelter machen wir uns auf den Weg zum Portage Glacier. Dem highway (Hwy) 1 nach Süden folgend fahren wir auf einer gut ausgebauten, aber wenig frequentierten Straße entlang des Turnagain Arms. Das Wetter hat sich halbwegs gebessert und wir sehen wunderschön über den Fjord die gegenüberliegenden Berge. Portage liegt am äußersten Ostende des Fjordes, wurde aber 1964 bei einem Erdbeben vollkommen zerstört. Wir finden nur noch die Verladestation der Eisenbahn vor. Südlich von Portage zweigt die Zufahrt zum gleichnamigen Gletscher ab. Es hat nun doch wieder angefangen zu regnen, so dass wir die Zeltplätze, auf denen wir geplant hatten zu zelten, überflutet vorfinden. Am Ende dieser Stichstraße finden wir den 200 m tiefen Gletschersee (Portage Lake) und ein eindrucksvoll gestaltetes visitor center. Es ist mit einem Teil des Gebäudes halb in den See hinein gebaut. Man informiert über Gletscher, Flora und Fauna der Region und wir sehen einen Film "Voices of the Ice", der uns begeistert, wenngleich er auch etwas amerikanisch verkitscht ist. Am Ende der Vorstellung wird schlagartig die Leinwand nach oben gezogen, der rote Vorhang geöffnet und man sieht auf den Gletscher - beautiful! Trotz des Regens entschließen wir uns, den etwa 2 km langen trail hinauf zu den Ausläufern des Byron Glacier zu machen. Wir laufen einen schmalen, zugewachsenen Pfad entlang in ein kleines Tal hinein. Immer wieder fallen uns Stellen auf, an denen die Büsche niedergetreten sind. Die wildesten Bärengeschichten fallen uns ein und um uns Mut und den Bären Angst zu machen, singen wir lauthals Lieder aus "Ronja die Räubertochter". Ab und zu müssen wir den Gesang unterbrechen, denn der Weg erfordert höchste Aufmerksamkeit. Der Fluss, der parallel zum Weg verlaufen soll, istaufgrund des starken Regens über die Ufer getreten und überschwemmt den Pfad. Von Stein zu Stein hüpfend versuchen wir, trockenen Fußes voranzukommen, mit mittelprächtigem Erfolg. Nach gut 1 Stunde ist der ausgeschilderte Pfad zu Ende, doch von dem Gletscher ist nicht viel zu sehen. Also weiter über und durch den Fluss, bis wir direkt vor dem Gletschertor stehen. Premiere, noch keiner war von uns so nah an einem Gletscher dran. Doch einer ist immer noch nicht zufrieden. Michael hat Blut geleckt und will unbedingt zum "Blau" des weiter oben gelegenen Eises. Es gibt wie gesagt keinen trail mehr und so müssen wir vorsichtig über Eis - und Geröllfelder weitergehen. Irgendwann wird es uns dreien zu gefährlich und Michael geht alleine weiter. Von einer halbwegs windgeschützten Stelle verfolgen wir Michaels "ruhmreichen" Aufstieg, aber es regnet wie aus Kannen und es wird sehr nebelig. Es ist ungemütlich kalt auf den nassen Steinen und aus der halben Stunde, die Michael unterwegs sein wollte, werden 1 ½. Als wir ihn endlich mit dem Fernglas auf dem Rückweg erkennen können, gehen wir schon mal vor zum Auto. Klitschnass und um eine Erfahrung reicher fahren wir in das kleine Nest Girdwood um einen Happen zu essen. In einem etwas schmuddeligen chinesischen Restaurant gibt es fish and chips (aber reichlich!). Die Nacht verbringen wir 4 im Auto auf einem Hotelparkplatz. Das Gepäck stellen wir auf das Dach und schützen es mit einer Plane gegen den Regen. Die Nacht ist unruhig und eng. Wir stehen zeitig auf, Frühstück fällt aus, aber dafür genehmigen wir uns eine hot chocolate von der Tankstelle. Weit ist es nicht bis Seward auf der Kenai Peninsula. Der Straßenverlauf durch die Kenai Mountains ist wunderschön. Bäche und Seen laden ein zu Zwischenstopps, doch leider nicht uns, denn es regnet immer noch. Die kleine, zwischen hohen Bergen gelegene Stadt an der Resurrection Bay ist Ausgangspunkt für Bootsfahrten zu den Eisbergen des Kenai Fjord Nationalparks. Dort angekommen sondieren wir auch gleich die Angebote verschiedener Bootsfirmen, denn es war schon lange ein Traum von mir mit einem Boot vom Wasser her an die riesigen Gletscher heranzufahren, um sie "kalben" zu sehen. Angesichts des schlechten Wetters verschieben wir diese Entscheidung und stattdessen beschließen die Jungs, eine Wanderung auf den Mt. Marathon (921 m) zu unternehmen. Wir bleiben in der Stadt, da Steffi nach der "Gletscheraktion" krank ist. Nach 4 Stunden treffen wir uns wieder und erfahren, dass die "Expedition" aufgrund schlechter Ausschilderung abgebrochen werden musste. Erst bei Einbruch der Dunkelheit stellen wir unser Zelt auf dem Zeltplatz auf, nachdem wir stundenlang einen geeigneten Parkplatz (d.h. kostenlos) in der Stadt gesucht haben, um im Auto zu schlafen. Die Nacht bietet ein spezielles highlight, denn irgendwie müssen Daniel die Coyoten oder Füchse sehr beeindruckt haben. Jedenfalls ruft er auf einmal in der Nacht, dass Wölfe vor unserem Zelt seien und ob wir sie denn nicht sehen könnten. Im ersten Moment , schlaftrunken wie wir sind, sind wir auch echt besorgt. Dann stellen wir aber fest, dass Daniel wohl nur laut träumt. Michael versucht ihn zu beruhigen, indem er meint, dass Steffi doch nur gehustet hätte. Ein Heidenspaß und Daniel völlig durcheinander! |