15. Seward oder "SOS auf dem Pazifik"Das Wetter klart am nächsten Morgen auf und so entscheiden wir uns für eine Bootstour. Wir buchen bei Renown Charter Tours für $ 89 (!) eine 6 - stüngige Rundfahrt durch den Fjord und zum Gletscher. Es ist eine kleine, private Firma und das Schiff, die Resolution, ist daher auch sehr klein und bestimmt sehr wind - und wellenanfällig. Der Kapitän ist ein alter Seebär und Justin, der erste Maat auf dem Kahn ist für das leibliche Wohl an Bord zuständig. Bei Sonnenschein und mit 16 anderen Leuten verlassen wir den Hafen in Richtung offenes Meer. Die ersten Tiere lassen nicht lange auf sich warten. Schon im Hafen sehen wir einen possierlichen Seeotter und auf hohen Sitka - Fichten sitzen majestätisch die Weißkopfadler. In einer kleineren Bucht sehen wir eineAusternfarm und Seesterne in allen erdenklichen Farben. Auf einer Felseninsel haben Unmengen von Seerobben ihr Domizil und aalen sich in der Sonne. Nach 2 Stunden Fahrt geht es auf den offenen Ozean. Wir sehen sogar eine Gruppe von Meerestümmlern [ eine Art Delphine; Farbe schwarz - weiß wie Wale] , die uns ein ganzes Stück à la "Titanic" begleiten. Wahnsinn! Der Kapitän hält an, um allen ein gutes Foto zu verschaffen. Doch die Wellen, die beim Stillstand des Schiffes doch sehr spürbar sind, tun ihr übriges. Den Landratten, unter ihnen auch zwei Herren aus Deutschland (Daniel und Michael), wird richtig übel. Man setzt und konzentriert sich, um nicht "kotzen" zu müssen. Einer Frau geht es wirklich schlecht, sie wird ohnmächtig und alle sind in heller Aufruhr. Das tragische Ende ist, das wir umkehren müssen - Gletscher ade! Mit voller Fahrt geht es zurück und Justin ist voll beschäftigt die Spuren des "leiblichen Wohls" zu beseitigen. Wir sind alle enttäuscht, aber man bietet uns an, am nächsten Tag nochmal zu fahren. Die restliche Zeit des Tages verbringen wir in der Bibliothek, schreiben Nachrichten an zu Hause oder schlendern durch die hübsche kleine Stadt, immer auf der Suche nach dem passenden Souvenir. Nach einer weiteren Nacht auf dem campground stehen wir wieder am Pier. Ich bin inzwischen auch richtig krank, aber dennoch möchte ich die Fahrt wagen. Michael zieht es vor an Land zu bleiben, da er befürchtet seekrank zu werden. Also fahren wir zu dritt hinaus. Das Wetter ist wesentlich schlechter als am Tag zuvor und schon in der Bucht sind die Wellen sehr hoch. Zudem regnet es in Strömen, so dass unsere regenfeste Kleidung Kampf erprobt wird. Doch das ist uns egal. Die Umgebung haben wir gestern schon gesehen, heute ist der Gletscher das Ziel. Wir stehen die ganze Zeit vorne am Bug. Draußen auf dem Ozean braut sich ganz schön was zusammen. Wellen schlagen über uns zusammen, das Boot schießt in den Himmel, um dann schäumend wieder auf das Wasser zu schlagen und wir mittendrin. Meterhohe Wellen - peitschender Sturm - eiskaltes Wasser. Ohne Festhalten geht hier gar nichts! Land unter - ungelogen!!! Der alte Seebär wirft uns einen verständnislosen und völlig entgeisterten Blick zu, denn er ist froh im Trockenen zu stehen. Wir haben mordsmäßigen Spaß und kosten die unfreiwillige Achterbahn in vollen Zügen aus. Es wird wider Erwarten keinem schlecht (und das ist eine enorme Leistung) und wir kommen ungehindert über die offene See. Geschafft, alle atmen auf, nun ist es nur noch ein kleines Stück in die Bucht hinein, dann würden wir da sein. Doch der Kapitän zögert und verkündet schließlich, dass ein gewaltiger Sturm direkt auf uns zukommt. Wenn wir nicht umkehren, würde uns der Sturm für Stunden in der Bucht einschließen. Erneute Umkehr kurz vor dem Ziel. Es werden schon Stimmen laut, die verkünden, es würde gar keinen Gletscher geben, da man ihn auch beim zweiten Anlauf nicht zu Gesicht bekommt. Wieder stellen sie uns vor die Entscheidung: Nochmal fahren oder ein Teil des Geldes zurück. Für uns keine Frage - See you tomorrow! An Land erwartet uns Michael mit einer interessanten Neuigkeit. Er hat etwas außerhalb der Stadt einen Bach entdeckt, in dem Lachse zu ihren Laichplätzen stromauf wandern. Wir hatten die Hoffnung schon aufgegeben, welche zu sehen, da die Zeit der Lachswanderung eigentlich vorbei ist. Aber was wäre Alaska ohne Lachse? In einem kleinen Seitenweg verstecken wir unser Auto und holen die Angelsehne heraus. Einige der Lachse sind schon tot, andere kämpfen sich noch den Fluss hinauf. Daniel spickt mit dem Angelhaken in die Rückenflosse eines Fisches und zieht ihn raus. Er zappelt fürchterlich und keiner hat richtig Mut das Notwendige zu tun. Steffi erledigt es letztendlich mit einem Stein, während Michael und Daniel "Wache stehen". Zum Abendessen gibt es selbsterlegten Lachs - lecker. Die Jungs schlafen im Zelt und das Krankenlager für uns Mädchen wird im Auto eingerichtet. Es regnet. Am nächsten Morgen: Regen, Regen, Regen... Land unter! Bootsfahrt ade.(Auszug Daniels Tagebuch) Wir lassen uns notgedrungen einen Teil des Geldes wiedergeben, da das Schiff den Hafen gar nicht erst verlassen kann. Der Sturm tobt immer noch! So lernen wir Alaska auch mal von der rauhen Seeseite kennen. Es ist ja schließlich eine Halbinsel und von drei Seiten von Meer umgeben. Auf dem Rückweg nach Anchorage ist es immer noch furchtbar stürmisch, so dass man mit dem Auto stark gegenlenken muss, um nicht von der Straße gefegt zu werden. Das Wetter wird vom Pazifik bestimmt. Der warme nordwestwärts fließende Alaskastrom hält die Südküsten Alaskas eisfrei und versorgt die aus Westen heranziehenden Luftmassen mit Feuchtigkeit. Auf der Kenai Peninsula regnet es ausgiebig, wie wir feststellen können. Während sich die Küste selbst im Sommer gerne unter Nebel und Regenwolken versteckt, verzeichnet das Inland oft lange Schönwetterperioden. Die pazifischen Westwinde sorgen aber nicht nur für Regen, sondern verhindern auch extreme Temperaturschwankungen. In Anchorage kennt man kaum strenge Kälte und hat bereits im März die ersten frostfreien Tage. Das Landesinnere Alaskas weist ein trockenes Kontinentalklima mit einem sehr ausgeprägten Jahreszeitenwechsel auf. In Fairbanks sind Wintertemperaturen von - 30° C keine Seltenheit, während im Juli Temperaturen um 20° C gemessen werden. |