19. Von Lachsen und BärenSnag Junction / YT nach Whitehorse / YTDen nächsten Morgen lassen wir ruhig angehen. Daniel und Michael beobachten den Sonnenaufgang und von dem lange vermissten Yukon - Ofen lassen wir uns die morgendliche Kälte vertreiben. Nach ein paar Scheiben Toastbrot und Fett (beim Speck braten in Anchorage / AK haben wir das Fett in ein Glas abgefüllt) geht es Richtung Osten. Bei anfangs tollem Wetter haben wir einen schönen Blick auf die Berge des Kluane National Parks. Ähnlich wie im Denali führen keine Straßen zu den höchsten Gipfeln des Bergmassivs, stattdessen werden Rundflüge mit kleinen Maschinen angeboten. Auf diesem Weg kann man beispielsweise den Mt. Logan (5950 m), Kanadas höchsten Berg, oder riesige Gletscherfelder sehen. Leider werden zur Zeit nur wenige und relativ teure Flüge angeboten, also nichts für uns. Abenteuerlich windet sich die Straße am Ufer des 400 m² großen Kluane Lakes entlang, an dessen Südostende wir eine Geisterstadt, Silver City, entdecken. Die ehemalige Stadt oder besser Dorf ist arg zerfallen und es gehört schon viel Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass hier einmal Leute gelebt haben. Gegen Mittag sind wir in Haines Junction / YT und beschließen bei einem leckeren Softeis in Richtung Süden nach Haines / AK weiterzufahren. Eigentlich wollen wir beizeiten einen Zeltplatz ansteuern, aber wir müssen feststellen, dass das Ende der Saison nicht nur Vorteile mit sich bringt. Auf den 244 km bis Haines hätten wir 3 Zeltplätze zur Verfügung, aber einer um den anderen ist geschlossen. Wir fahren weiter, aber von der sonst panoramareichen Strecke durch das Küstengebirge sehen wir leider gar nichts. Inmitten der Berge kommen wir in einen wahnsinnigen Platzregen, der nicht mehr aufhören will. Man sieht gerademal wenige Meter weit und so staunen wir nicht schlecht, als wir plötzlich wieder an der Grenze zu Alaska stehen. Schneller als gedacht fahren wir in das sogenannte panhandle (den Pfannenstiel) Alaskas ein. Je näher wir der Küste kommen, desto stärker wird der Regen. Den ausgeschrieben Zeltplatz kurz vor Haines verpassen wir und müssen uns so um eine Übernachtung in der Stadt kümmern. In der Stadt selbst ist mächtig was los, denn ein gigantisches Passagierschiff liegt im Hafen vor Anker. In Kneipen und Restaurants tummeln sich die Touristen auf Landgang und wir haben Mühe einen warmen trockenen Platz zu finden. Zuerst kümmern wir uns um das leibliche Wohl. Die Jungs kaufen sich einfach etwas zu essen im Supermarkt, aber wir bevorzugen warme Hausmannskost. Angesichts des schlechten Wetters versuchen wir ein Motel zu finden, aber die sind teuer und da es schon recht spät ist, hätten wir es auch gar nicht richtig auskosten können. Zweite Möglichkeit ist der Zeltplatz im Chilkat State Park etwas außerhalb der Stadt. Auf dem Weg dahin wird die Straße auf einmal übervoll und wir können uns nur schwerlich erklären, woher mitten in der Nacht so viele Autos kommen und vor allem warum. Der Zeltplatz, den wir dann vorfinden, ist genauso überfüllt wie die Straße, den trockenen Platz im kitchen shelter können wir vergessen. Die letzte Möglichkeit, im Auto zu schlafen, setzen wir zum Schluss um. Gegen 8.00 Uhr stehen wir auf. Heute wollen über den Lynn Canal nach Skagway / AK übersetzen, da die Fähre [ Alle größeren Städte der Inside Passage sind an den Fährbetrieb angeschlossen, welcher aber relativ teuer ist.] aber erst gegen Mittag ablegt, haben wir noch etwas Zeit uns umzuschauen und dem Rätsel der vergangenen Nacht auf den Grund zu gehen. Wir treffen auf besagter Straße einen Angler, der uns aufklärt, warum Unmassen von Autos jeden Abend die Straße blockieren. Der kleine Fluß neben der Straße ist einer der letzten, in dem Lachse zu ihren Laichplätzen flußauf wandern. Tatsächlich sehen wir abertausende von Fischen im Wasser. Nahe am Ufer, wo der Widerstand der Strömung am geringsten ist, bilden sich schwarze Schwärme entkräfteter Fische, um sich hier im seichten Wasser auszuruhen. Die kräftigeren von ihnen springen manchmal bis zu einem halben Meter aus den Wasser heraus, um schwierige Hindernisse zu überwinden. Während wir uns mit dem Angler unterhalten, ist dieser ständig damit beschäftigt seine Angel einzuholen und einen Fisch vom Haken zu befreien. Ungelogen aller 20 Sekunden holt er einen Fisch raus. Die meisten wirft er aber zurück in den Fluß, da sie schon halbtot sind und natürlich wird man bei soviel Angebot wählerisch. Wir müssen an unsere armen Angler in Deutschland denken, die den halben Tag damit verbringen gerademal eine schlammigen Karpfen aus dem Teich zu ziehen. Der wahre Grund für den Stau auf der Straße sind aber nicht nur die Lachse, die man im Dunkeln sowieso nicht unbedingt sieht, sondern die allabendlichen Bärenbesuche. Vor zwei Tagen hatte man 14 Bären in diesem Bereich gesichtet, die sich den Bauch mit frischem Lachs vollstopften. Zur Zeit sind es so viele, dass man sie sogar zur Jagd freigegeben hat, um ihren Bestand zu regulieren. Übergriffe auf Zeltplätze und Wanderer sind hier nichts Ungewöhnliches und wir sind froh, dass wir uns gestern gegen den Zeltplatz entschieden haben. Glück gehabt! Bei den vielen Jagd - und Anglergeschichten ist die Zeit bis zum Ablegen der Fähre viel zu schnell vorbei und wir reihen uns in die Schlange der wartenden Autos ein. Die Entfernung nach Skagway beträgt lediglich 21 km (zum Vergleich: Landweg von Haines nach Skagway 580 km !) und dauert 45 Minuten, aber $ 99 müssen wir für den Spaß doch schon hinblättern. Die Überfahrt bietet uns nichts Spektakuläres und gegen 13.00 Uhr legen wir in Skagway an. Drei weitere Ozeanriesen liegen im Hafen vor Anker und dementsprechend voll ist auch die Stadt. Kaum runter von der Fähre, befindet man sich schon direkt auf der "Edeltourimeile", in deren Geschäften so ziemlich aller Trödel angeboten wird.
Richtung Norden verlassen wir die Stadt auf einer steilen Straße, die am höchsten Punkt den geschichtsträchtigen White Pass (1003 m) überwindet. Dieser galt als Alternative zu dem gefährlicheren Chilkoot Pass, obwohl es der längere Weg war. Zur Bewältigung wurden auch Pferde und Maulesel eingesetzt, von denen über 3000 an dieser Steigung qualvoll verendeten. Mit dem Pass verlassen wir nun endgültig Alaska und nach einer faszinierenden Fahrtstrecke sind wir 2 Stunden später in Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon Territoriums. |