21. Wieder unter Menschen

Kinaskan Lake / BC nach Smithers / BC

Am Morgen ist es noch kälter als am Abend und selbst der teure Benzinkocher gibt langsam seinen Geist auf. Wir haben schon seit geraumer Zeit Schwierigkeiten, weil sich die Düse ständig mit Ruß zusetzt. Jetzt will er gar nicht mehr anspringen, deshalb müssen wir über dem Feuer Wasser kochen und das Toastbrot auf Alufolie rösten. Hunger und Kälte machen erfinderisch! Nach dem Frühstück geht es zu einer kurzen Katzenwäsche an den See und nachdem wie immer alles in unserem Kistenpacksystem im Auto verstaut ist, geht es gegen 11.00 Uhr los. Die ersten Kilometer der Fahrt sind geprägt durch junge, aufgeforstete Waldflächen. Immer wieder weisen Schilder daraufhin, wann und wieviele Hektar Wald durch Brände vernichtet und wann sie wieder aufgeforstet worden. Kurz vor Kitwanga beginnt indian land. Überall sehen wir provisorisch errichtete Zeltlager und Stände mit der Aufschrift: "Mushroom Buyers". Was es nun genau damit auf sich hat, finden wir nicht heraus, aber wir vermuten, dass hier wirklich Pilze gesammelt und verkauft werden. Aber so richtig wohl fühlen wir uns in der Gegend hier nicht, was wahrscheinlich auch durch das regnerische Wetter bedingt ist. Wir fahren weiter bis wir auf den Yellowhead - Highway stoßen und sind damit wieder in der Zivilisation angelangt. Unser Tagesziel liegt heute nicht so weit entfernt und so haben wir Zeit für einen Abstecher in das Ksan Indian Village bei Hazelton / BC. Dieser authentische Nachbau eines indianischen Dorfes liegt unmittelbar am Zusammenfluss von Skeena und Bulkley River und ist laut Reiseführer unbedingt einen Besuch wert. Steffi und ich waren schon einmal vor 2 Jahren hier, aber verändert hat sich nicht viel. Weder das Angebot im gift - shop noch das Wetter. Damals wie heute nieselt es, aber es ist schon schön an einen bekannten Ort zurückzukommen. Die typischen Holzhäuser der Westküstenindianer, die man eigentlich besichtigen kann, sind leider schon geschlossen und uns bleibt allen nur ein Blick durch ein paar Holzritzen in das Innere der reich ausgeschmückten Häuser. Doch zumindest die Totempfähle [ Besonders die Westküstenindianer hatten besonders prunkvolle Exemplare, die als eine Art Stammbaum benutzt wurden.] können wir den Jungs präsentieren und für ein paar Erinnerungsfotos reicht es allemal. Wir fahren weiter in südöstlicher Richtung bis nach Moricetown / BC, wo wir ein paar Lachsfischer im Moricetown Canyon beobachten, und sind dann gegen 17.00 Uhr in Smithers, einem bekannten Skiort. Die gesamte Strecke von hier bis zur kanadisch- amerikanischen Grenze am 49. Breitengrad, man kann sogar sagen das gesamte Gebiet British Columbias werden Steffi und ich kennen, da wir es vor 2 Jahren 6 Monate lang intensiv bereist haben. Wir wandeln also auf bekannten Pfaden, d. h. wir kennen die Straßen, Sehenswürdigkeiten, fast jedes fast food restaurant und einige Motels. Angesichts des wirklich schlechten Wetters können wir, noch ganz in Erinnerungen schwelgend, die Jungs zu einer Nacht im Mountain Inn Motel überreden. Die Preise haben sie in den vergangenen 2 Jahren zwar ganz schön angezogen (fast verdoppelt), aber was soll der Geiz. Das Zimmer ist schön warm und trocken. Nach 32 Nächten tut es auch mal wieder gut in einem richtigen Bett zu schlafen. Aber leider gibt es nur ein Doppelbett und es stellt sich die Frage: Mädchen oder Jungs? Wir setzen unseren ganzen Charme ein, um dann doch das Portemonnaie sprechen zu lassen. Der Deal ist der: Wir bekommen das Bett, müssen aber die Jungs am nächsten Morgen auf ein Frühstück einladen. Uns ist alles recht und genügend Decken für die Jungs sind ja schließlich auch da. Abgemacht! Doch noch ist es nicht Zeit ins Bett zu gehen. Wir gehen erst mal cookies einkaufen, dann zu A & W einen leckeren Hamburger essen und runden diesen kulinarischen Freudentanz mit einem Softeis bei Dairy Queen ab. Fantastisch. Zurück im Motel drehen wir die Heizung richtig auf, schalten den Fernseher an und machen es uns bequem. Jeder von uns geht ausgiebig duschen (mindestens 1 Stunde), denn richtig sauber waren wir schon lange nicht mehr. Es ist eine Wohltat. Bis spät nach Mitternacht verfolgen wir den spannenden Rodeowettkampf im Fernsehen, der aus den USA übertragen wird, solange bis einer nach dem anderen einschläft. Heute lassen wir die Natur Natur sein!