22. Bekannte GesichterSmithers / BC nach Quesnel / BCDie Nacht ist, wie man sich vorstellen kann, ein Traum gewesen. Keiner will freiwillig das warme Bett verlassen, nur Daniel hält schon gegen 8.00 Uhr nichts mehr. Er geht duschen und wir anderen schalten typisch amerikanisch den Fernseher ein. 2 Stunden später ist es dann an uns Mädels für die Nacht zu "bezahlen". Wie abgemacht laden wir die Jungs zu einem kleinen Frühstück ins Subway [ Fast Food Kette, die sich auf die Zubereitung meist kalter sandwiches spezialisiert hat.] ein. Wir bestellen ein sandwich mit Speck und Eiern und einen, wie immer, viel zu dünnen Kaffee. Mit etwas ungläubigen Augen verfolgen wir die Bedienung, als sie unsere Eier aus einem Tetrapack in flüssiger Form hervorzaubert. Dieses flüssige Etwas verschwindet danach für kurze Zeit in der Mikrowelle und wird dann auf unser sandwich gestülpt. Fast satt, aber um ein Erlebnis reicher, setzen wir unsere Fahrt in Richtung Osten fort. Heute wollen wir eine Farmerin, bei der wir vor 2 Jahren 3 Wochen verbrachten, auf der Capstone Ranch in der Nähe von Burns Lake / BC besuchen. Wir haben uns erst für Nachmittag bei ihr angemeldet und bis Burns Lake sind es nur 150 km, also haben wir noch reichlich Zeit gemütlich zu fahren und links und rechts zu schauen. Viel Spektakuläres bietet die Strecke zwar nicht, aber Daniel freut sich außerordentlich endlich mal was anderes als nur Bäume zu sehen. Tatsächlich wird das meiste Land rechts und links der Straße als Farm- und Weideland genutzt, seltener für Ackerbau. Doch mit einem Mal werden die Autos vor uns langsamer und der Seitenstreifen wird zur Parkzone um-funktioniert. Neugierig wie wir sind, halten auch wir an und sehen sogleich den Grund für dieses merkwürdige Verhalten. Ein riesiger, aber toter Schwarzbär liegt auf der Straße und weckt die Neugier aller. Offensichtlich ist er in die Enge getrieben worden und wollte sich auf der anderen Seite der Straße in Sicherheit bringen. Dabei muss er sich im Stacheldraht des Farmers verheddert haben, denn sein ganzes Fell ist aufgerissen. Ein trauriger Anblick. Als wir in Burns Lake ankommen, haben wir die Fähre über den Francois Lake um gerade 5 Minuten verpasst und das heißt hier 1 Stunde auf die Nächste warten. Wir kennen das Prozedere ganz gut, schließlich haben wir die Fähre vor 2 Jahren unzählige Male benutzt, und so haben wir genügend Zeit den Jungs alles über die Farm, die Menschen und alte Begebenheiten zu erzählen. Die Überfahrt dauert ca. 10 Minuten und nach 5 km auf der anderen Seite beginnt gravel road. 50 km auf unbefestigter Straße liegen noch vor uns. Als wir auf der Farm ankommen, ist Sue, die Farmerin, leider noch nicht da und so machen wir einen ausgedehnten Rundgang über ihr Anwesen, schauen bei den Fjordpferden vorbei, die Sue hier züchtet, und tollen mit Jesse, dem Hofhund, herum. Wir sind total happy das alles hier wieder zu sehen und nach einer kurzen Weile kommt dann auch Sue zurück. Bei einer Tasse Tee in ihrem Blockhaus werden alte Geschichten aufgewärmt und Neuigkeiten der vergangenen 2 Jahre ausgewertet. Sie hat uns recht viel zu erzählen, weil wir ja jeden aus der näheren Umgebung ( im Umkreis von 50 km!) damals kennengelernt haben. Auch bei uns hat sich einiges verändert und somit ist für genügend Gesprächsstoff gesorgt. Wir werden natürlich von Sue, Beate und Al ( Sue hat seit Neuestem 2 Mitbewohnerinnen) zum Bleiben und zum Abendbrot eingeladen. Es gibt leider Nudeln mit Tomatensoße, als ob wir in den letzten Wochen wahrlich nicht genug davon gehabt hätten, aber der frische, grüne Salat und der selbst hergestellte Ziegenquark mit Himbeeren stimmen uns dann doch versöhnlich. Die Zeit ist viel zu schnell vorbei. Zum Schlafen ziehen wir uns in den Pferdestall (!) zurück. Im Haus selbst ist es zur Zeit zu voll und unter freiem Himmel ist es eiskalt und es hagelt. Die leere Pferdebox, in der wir nur unser Innenzelt aufbauen, riecht etwas stark nach Pferd, aber beim Schlafen soll uns das doch nicht stören. Außerdem ist es hier drinnen trocken und windsicher - was will man mehr. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von den drei Damen und legen Sue nochmals ans Herz uns zu benachrichtigen, falls sie jemals das Grundstück verkaufen will. Dann brechen wir zu einer kleinen Wanderung auf Sues Privat - Bergkette auf. Das Wetter hat sich entschieden gebessert. Bei blauem Himmel erklimmen wir den ersten Abschnitt der Strecke. Damals waren wir auch auf diesen Berg geklettert, aber es war Winter und die Orientierung viel einfacher als jetzt, wo alles verbuscht und verfilzt ist. Aber wir kommen trotzdem oben an und genießen den fantastischen Blick bis zum Horizont. Selbst Daniel und Michael sind schwer beeindruckt. Fast soweit das Auge reicht ist das alles hier Sues Besitz - Wälder, Almen, Berge, Felsen und ganze Seen gehören ihr. Sie hat den größten Teil ihres 112 ha Besitzes naturbelassen. Nur für den Winter fällt sie ein paar Bäume und holt sie mit ihren Arbeitspferden aus dem Wald, denn eine Zentralheizung gibt es hier oben natürlich nicht. Es fällt schwer sich loszureißen, aber die aufziehenden Regenwolken verscheuchen uns letztendlich doch. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen wir gegen Mittag die Farm und erreichen sogar noch die wartende Fähre. Ohne weitere nennenswerte Zwischenstopps folgen wir dem Yellowhead - Highway bis nach Prince George / BC, der mit 70.000 Einwohnern viertgrößten Stadt der Provinz. Die Fahrt führt hauptsächlich durch waldiges, hügeliges Land entlang des Nechako River. Kurz vor Prince George sehen wir unzählige Sägemühlen und Papierfabriken (pulp mills), die die lokale Bedeutung der Holzindustrie der Provinz unterstreichen. Gemeinhin gilt die Stadt als "BC's Northern Capital", aber Besonderheiten hat sie nicht unbedingt zu bieten. Nur ein riesiges Einkaufszentrum lockt vor allem die Jungs, die, seitdem wir wieder in besiedeltem Gebiet sind, ständig auf der Jagd nach Süßigkeiten sind. Mit 6 Schnäppchen - Donuts [ eine Art Pfannkuchen] kehren sie erfolgreich von der Jagd zurück und sind glücklich. Wir befinden uns unwiderruflich auf der Rückfahrt, denn in Prince George verlassen wir den Yellowhead - Highway und begeben uns auf dem Cariboo - Highway (Hwy 97) streng Richtung Süden. Diese Richtung werden wir wohl, abgesehen von kleineren Abstechern, die kommenden 12 Tage bis Denver beibehalten. Nach 115 km steuern wir in Quesnel den 5 Mile Flat Provincial Park an, kochen Reis mit Mais und Brühe und können bei der Gelegenheit wieder Daniels Laterne nutzen, denn es ist inzwischen stockdunkel. Alle sind müde und erschöpft und weil es auch immer kälter wird, rutschen wir schnell im Zelt zusammen doch nicht bevor wir den Zeltplatzwart an der Nase herumgeführt haben. Dieser will nämlich wie üblich abkassieren kommen. Als wir ihn kommen hören, stürzen sich Steffi und Michael, die noch nicht im Zelt sind, in die Büsche und Daniel und ich geben vor, zu schlafen. Bad Luck! Unverrichteter Dinge muss er abziehen. Jetzt müssen wir am nächsten Morgen nur zeitig genug aufstehen und abfahren, dann hat er keine Chance und wir haben can$ 15 gespart. Ob das klappt? In aller Herrgottsfrühe weckt uns Daniel unsanft und drängt uns anderen zum schnellen Zeltabbau. Gerade war der Zeltplatzwart da und nach seiner Schätzung wird er in einer halben Stunde wiederkommen. Na ja, wir sind ziemlich schnell mit dem Zeltabbau, aber gerade als wir losfahren wollen, kommt der Geldeintreiber angefahren. Keine Chance, aber lustig war es schon und zumindest sind wir zeitig aus den Schlafsäcken gekommen. Jetzt können wir uns auch Zeit lassen. Wir gehen uns waschen und Daniel ist stinksauer, denn weder die Zeltplatzeinrichtungen, noch die Stellplätze an sich rechtfertigen den hohen Preis [ Leider sind einige Zeltplätze vornehmlich für Wohnmobile angelegt. Dementsprechend sind die Stellplätze mit Kies befestigt oder manchmal sogar betoniert. ] . Er schreibt einen verärgerten Brief und dann sind wir auch schon wieder on the road again. |