25. Zurück im Cowboyland

Republic / WA nach Ennis / MT

Heute ist der 30.9., das heißt wir haben nur noch knappe 5 Tage Zeit um nach Denver / CO zurückzukommen. Aber das sind mit zahlreichen Abstechern rechts und links der Straße noch ganze 2500 km. Wir müssen uns ganz schön ran halten, um all das zu sehen, was wir uns noch vorgenommen haben und dürfen gleichzeitig die immer kürzer werdende Zeit auch nicht aus den Augen verlieren. Wir fahren von Republic auf Nebenstraßen bis Spokane / WA durch schöne Gebirgslandschaften mit zahlreichen tollen Ausblicken. In Spokane essen wir bei Fred Meyers [ großes Lebensmittelgeschäft] ein Hähnchen zum Mittag und fahren danach ohne nennenswerte Zwischenstopps auf der I - 90 bis nach Missoula in Montana. Auf der Autobahn ist ziemlich viel Verkehr, zumindest empfinden wir das so, und es ist schon dunkel, als wir in Missoula ankommen. Der nächste preiswerte Zeltplatz befindet sich 50 km weiter in Lolo / MT, den wir dann auch ansteuern und im Dunkeln unser Zelt aufbauen. Der Fahrttag, wir sind immerhin 580 km gefahren, hat die Jungs offensichtlich hungrig gemacht, denn sie fangen selbst noch im Dunkeln an zu kochen. Bloß abgewaschen wird dann erst morgen.

Die Nacht ist kurz und kalt gewesen und eine dicke Eisschicht hat sich von innen an der Zeltwand gebildet. Um diese aufzutauen bzw. zu trocknen und unsere Hände beweglich zu machen brennen wir ein Feuer an und nach dem Standardfrühstück, das aus Haferschleim, Toastbrot mit Peanutbutter und Marmelade besteht, geht es auch schon auf dem Hwy 93 weiter Richtung Süden. Die gleiche Strecke ist Daniel vor 2 Jahren auf seiner Fahrradtour schon gefahren und nachdem wir Mädels hauptsächlich in Kanada geführt haben, übernimmt er jetzt die Routenplanung. Heute hat er einiges mit uns vor, wie er uns versichert. Den ersten Stopp machen wir eine halbe Stunde nach Aufbruch im Fort Owen State Park. Hier wurde ein altes Fort originalgetreu erhalten und steht kostenlos zur Besichtigung offen. Wir sind ganz allein und so können wir uns in aller Ruhe über die Geschichte des Forts und über dessen Bedeutung, die eng mit der Gründung des Staates Montana verknüpft ist, informieren.

Gegründet wurde es 1805 und dann nach seinem späteren Besitzer John Owen benannt. Wegen seiner Lage im Bitterroot Valley spielte es besonders um 1850 eine bedeutende Rolle im Handel zwischen der immer größer werdenden Zahl der Einwanderer und den Indianern. Nach Aufgabe des Forts ging es 1937 in den Besitz des Staates Montana über und wird seit 1971 als ein State Monument instandgehalten und rekonstruiert.

Am Ende des Bitterroot Valleys überqueren wir den Lost Trail Pass (2340 m) und den Chief Joseph Pass (2430 m). Mit dem Überqueren der beiden Pässe ändert sich auch das Landschaftsbild - riesige Grasebenen, begrenzt durch Bergkämme am Horizont. Big Sky - Montana liegt vor uns! Kurz darauf stoppen wir vor dem Big Hole National Park.

Auch hier fand, ähnlich wie bei Little Big Horn, eine bedeutende Schlacht zwischen Indianern und weißen Siedlern statt. Um nicht in Reservate eingewiesen zu werden, flohen die Nez Perce Indianer im Sommer 1877 aus Oregon. An dieser Stelle kam es zur entscheidenden Schlacht zwischen den Indianern und der amerikanischen Kavallerie, in der die Indianer im Schlaf überrascht und die meisten von ihnen getötet wurden. Nur ein kleiner Teil überlebte und flüchtete weiter nach Kanada, um sich dort Sitting Bull anzuschließen.

Es ist mittlerweile richtig warm geworden, die Sonne prasselt von einem einzigartigen, blauen Himmel auf unser Auto und das Thermometer schießt in schon längst vergessene Höhen. 13° C fühlen sich für uns "aus Alaska Kommende" wie Sommer an. Auf schnurgeraden Straßen fahren wir weiter durchs Cowboyland. Als nächsten Stopp kündigt Daniel eine Geisterstadt an, aber so richtig glauben können wir seinen Erzählungen nicht. Es soll eine total verlassene Stadt à la "High Noon" sein, in dem aber viele Gebäude noch stehen und wohl auch instandgehalten werden. Ein paar ghosttowns haben wir zwar schon im Yukon besucht, aber so richtig in Schuss waren davon keine mehr. Als wir nach gut 150 km in Bannack / MT ankommen, staunen wir nicht schlecht alles so vorzufinden wie versprochen. Seine Blüte erlebte Bannack 1863 mit 1000 Einwohnern, die sich aufgrund von Silbervorkommen dort niederließen. Heute ist von der damaligen Blüte nichts mehr zu sehen. In der Hauptsache findet man eine staubige Straßen, die rechts und links von Häusern gesäumt wird. Die Gebäude sind nicht nur erhalten, sondern man kann in alle hineingehen und rumstöbern. Alles ist so belassen worden, wie die damaligen Siedler es verlassen haben. Einige Einrichtungsgegenstände stehen herum, alte Tapete hängt in Fetzen an der Wand und man kann genau erkennen, welches Gebäude die Kirche, der Saloon oder die Schule war. Alte zerfallene Schuppen mit verrosteten Kutschen und Werkzeugen sind genauso zu finden wie Pferdeställe oder die Überbleibsel der Gardinen in den Außenklos. Fantastisch. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie das Leben hier vor rund 100 Jahren zu Pionierzeiten ablief. Man glaubt mit einer Maschine in der Zeit zurückgereist zu sein und da bleibt es natürlich nicht aus, dass wir auch ein shoot down nachstellen müssen. Mit staubigen Schuhen und glücklichen Gesichtern steigen wir nach 2 Stunden wieder ins Auto. Doch die nächste Geisterstadt lässt nicht lange auf sich warten. In Nevada City / MT kann man zwar nicht in die Häuser hinein, aber durch die Fensterscheiben lässt sich erkennen, dass sie noch komplett eingerichtet sind. Im Gegensatz zu diesen zwei verlassenen Städten ist in Virginia City / MT noch richtig Leben. Auch hier sind die Gebäude originalgetreu erhalten worden, bloß konnte sich die Stadt gegen den Wegzug seiner Bewohner erwehren. In den vielen Geschenkläden ist für jeden das Passende zu finden und auch wir kaufen natürlich einiges ein, spätestens jetzt wird es nämlich Zeit über Mitbringsel für die Daheimgebliebenen nachzudenken. Die Cowboystiefel der Männer und die Lederblusen der Frauen gehören ebenso zum Bild wie die viel zu großen weißen Cowboyhüte der Kinder. Angenehm ist, dass auch hier, wie in Alaska und Kanada, die Hauptsaison schon vorbei ist und wir ausschließlich locals begegnen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit sind wir in Ennis auf einem kleinen Zeltplatz und wie schon sooft zuvor die einzigen, die ihn in Beschlag nehmen wollen. Leider ist es sehr windig und kalt, so dass wir statt draußen am Lagerfeuer zu sitzen, lieber in der Tankstelle eine heiße Schokolade trinken und mit den Einheimischen "small talken".