3. Das AutoDie Nacht ist kurz gewesen. Wir haben alle nicht richtig schlafen können, trotz großer Müdigkeit. Der jet lag macht sich wohl doch bemerkbar. Steffi und ich kriechen als erste aus dem Zelt, wohingegen die Jungs noch vor sich hin dösen. Wir machen uns zuerst auf die Suche nach Stefan und Martin, die mit ihren Fahrrädern ja auch vom Flughafen hierhergefahren sind. Als wir uns am Flughafen getrennt haben, wussten wir noch nicht, dass wir auch zum Zeltplatz fahren würden, denn eigentlich war eine Jugendherberge geplant. Die beiden Radler staunen dann auch nicht schlecht, als wir in aller Herrgottsfrühe vor ihrem Zelt stehen, sind dann aber doch ganz froh, nochmal bekannte Gesichter zu sehen. Wir alle kratzen unsere essbaren Vorräte zusammen, zum Glück waren die beiden in der Nacht noch einkaufen gewesen, und frühstücken gemeinsam bei herrlichem Sonnenschein und blauem Himmel. Die Geschichten und Begebenheiten der vergangenen Nacht werden ausgetauscht und trotz der restlichen Müdigkeit wird viel gelacht. Während sich die "Ich - quäl - mich - gern - im -Urlaub" - Extremisten sich mit ihren Fahrrädern und der Ausrüstung beschäftigen, werden wir Mädels gleich abkommandiert, uns um die Beschaffung des Autos zu kümmern. Wozu waren wir denn schließlich schon 6 Monate in Kanada? Während sich die Herren also auf unsere Englischkenntnisse verlassen, versuchen wir verzweifelt, mit dem Telefon zurechtzukommen. Bevor man erst mal das richtige Telefon gefunden hat, dann bei der richtigen Telefongesellschaft gelandet ist, zu der dann auch noch die Telefonkarte passt und man sich schließlich in dem Gewirr permanenter Ansagen im Telefon zu dem richtigen Anschluss durchgefitzt hat, kann schon einige Zeit ins Land gehen. Egal - geschafft ist geschafft. Wir wissen, wo wir das gemietete Auto abholen können und bestellen uns auf Kosten der Autovermietung ein extragroßes Taxi für das viele Gepäck. Wir verabschieden uns von den Bikern, die nicht wenig belämmert aus der Kiste schauen ob der Komfortabilität eines Autos (Stefan wäre schon lieber mit einem Auto gefahren, oder?!) und sind nach 40 Minuten Fahrzeit durch Denver / CO dann auch da. Da steht es - ein dunkelblauer Explorer - und man hat uns wirklich nicht zuviel versprochen. Die Übergabe ist relativ unproblematisch, nur Pass und Führerschein sind vorzulegen und eine Kaution von $ 500 ist zu bezahlen, und schon sitzen wir begeistert in unserer Luxuskarosse. Kurz nach dem Losfahren stellen wir auf einem Parkplatz fest, dass sich die vordere Fahrertür nicht verschließen lässt. Wir fahren also zurück und da sind dann alle gar nicht mehr soooo freundlich wie zuvor. Man tut unwissend und es stellt sich heraus, dass das Auto selbst von der Vermietung nur gemietet ist. Wir sind also gezwungen, mit Budget zu verhandeln, und das tun wir dann auch. Sie schicken uns einen Mann vorbei, der uns einen Austauschwagen zur Verfügung stellen soll, weil das Schloss in der Kürze der Zeit nicht zu reparieren ist. Was da aber in Form eines Wagen vor uns steht ist für mich zumindest völlig inakzeptabel - ein rostiger, alter Toyota ohne jeglichen Komfort und mit dreckigen Sitzen. Hätte ich vorher nicht in dem Nobeljeep gesessen, hätte ich vielleicht noch nicht mal gemuckt. Und da wir wissen, dass es in "Amiland" nur darauf ankommt, ob man sich bescheißen lässt oder nicht, stellen wir uns stur. Und siehe da, plötzlich ist ein vergleichbares Auto aufgetrieben! Es ist ein roter Mountaineer von Mercury, völlig identisch zum Fordmodell. Gegen 17.00 Uhr kommen wir erst aus der Stadt raus, nachdem wir die Ausrüstung im REI [ REI - Recreational Equipment Incorporated; einer der verbreitetsten Freizeit - und Campingausrüstungsläden in den USA] komplettiert und uns auch mit Lebensmitteln eingedeckt haben. So fahren wir nur 40 km Richtung Norden aus der Stadt zu einem Zeltplatz in Loveland / CO und verbringen den Abend bei einer leckeren Nudelmahlzeit in Michaels neugekauften Töpfen. |