4. Indianerschlacht - Cowboyland - Tiger im Tank

Loveland / CO nach Carstairs / Alberta (AB)

Gegen 7.00 Uhr haut uns Daniel, der unbestrittene Frühaufsteher der Gruppe, unsanft aus den Schlafsäcken. Doch die kostenlose Dusche besänftigt alle und nach kurzem Frühstück sitzen wir auch schon in unserem geräumigen Jeep. Falls es jemand bis hierher vergessen haben sollte - wir wollen nach Alaska! Die nächsten Tage sind daher mit "Kilometer - schruppen" verplant. Los geht's! Die I-25 [ I - interstate; gängige Abkürzung für Autobahnen] rasen wir durch flaches, dürres, noch halbwegs besiedeltes Prärieland. Rechts von uns bis zum Horizont nur ebenes Land, links von uns die aufragenden Gipfel der Rocky Mountains in der aufgehenden Morgensonne. An diesem Bild sollte sich auch die nächsten 700 km bis zum Little Bighorn / Montana (MT) nichts ändern. Es ist brütend heiß. Das Thermometer zeigt bis zu 39° C an und wir sind froh, im klimaanlagengekühlten Auto zu sitzen. Wir verlassen den Bundesstaat Colorado und fahren in Wyoming ein. Dass Wyoming im Osten die reichsten und fruchtbarsten Böden des Landes besitzt, können wir wirklich bloß erahnen. Der Eindruck desCowboylandes verstärkt sich beim Anblick des trockenen sagebrush [ Salbeisträucher, welche als letzte Vegetationsstufe in den trockenen Hochland - und Ebenenflächen weit verbreitet sind] und wenn jetzt laut K. May "Die wilde Horde" oder Old Shatterhand persönlich um die Ecke geritten kämen, würde das perfekt zum Bild passen. Genau wie die rattlesnakes [ Klapperschlangen] , die wir überall vermuten. Gegen Mittag haben wir nun auch Wyoming hinter uns gelassen, Montana empfängt uns und wir fahren einem Wegweiser nach bis zum Little Bighorn Battlefield National Monument. Und wir haben Glück. Es ist 150. Jahrestag des National Park Service und so haben wir gratis Eintritt. Schon in der Schule haben wir von dieser bedeutenden Schlacht hier gehört und nun stehen wir auf diesem historischen Boden. Daniel ist ob der Menschenmassen und der Hitze nicht besonders begeistert, aber auf den Custer Hill müssen wir dann doch.

Die Gedenkstätte erinnert an die Schlacht vom 25. Juni 1876 am Little Bighorn River, in der sich ein Regiment der 7. Kavallerie unter Lt. Col. George Armstrong Custer und Krieger der Northern Plains Indians, vor allem Lakota, Sioux und Cheyenne, gegenüberstanden. Zuvor hatten die Sioux unter ihren Häuptlingen Sitting Bull, Crazy Horse und Gall weiße Goldgräber angegriffen, welche nach Goldfunden in den nahen Black Hills (1874) in ihr Territorium strömten. Ohne Kenntnis der tatsächlichen Stärke der Indianer - etwa 2500 bis 4000 Mann - ging Custer, ohne auf Verstärkung zu warten, zum Angriff über. Die zahlenmäßigen weit überlegenen Indianer kesselten Custer und seine Truppe ein und töteten alle Soldaten und Offiziere. Es war der letzte Zusammenstoß beider Seiten in einem jahrhundertelangen Konflikt, der mit der Ankunft der ersten europäischen Siedler in Nordamerika begann. Obwohl die Indianer diese Schlacht gewannen, verloren sie später den Kampf gegen die Bemühungen des weißen Mannes, ihnen ihre unabhängige und nomadische Tradition und Lebensweise zu nehmen.

Weiter geht es 250 km gen Norden. In Billings / MT verlassen wir die interstate und fahren auf kleineren Straßen. Mit dem Straßenwechsel ändert sich auch das Landschaftsbild. Es wird grüner, hügliger und bewaldeter. Kleine Farmen mit verfallenen Holzzäunen befinden sich links und rechts der Straße. Man könnte sagen: Montana - "Pferdeflüstererland". Im Dead Man's Bassin übernachten wir und fahren am nächsten Morgen weiter erst mal bis Great Falls / MT. Dort müssen die Jungs gleich in die library [ öffentliche Bibliothek mit kostenlosem Internetzugang] , um ihre e - mails auszulesen und die ersten Lebenszeichen via Heimat zu schicken. Da die Lebensmittel in den USA allgemein billiger sind als in Kanada und die Grenze immer näher rückt, kaufen wir ordentlich ein. Den Rest des Tages fahren wir durch und nur anhand der abgespielten Kassetten merken wir, wie die Zeit vergeht. Wir überqueren die Grenze nach Kanada, was völlig problemlos ist, wenn man in eines der beiden Länder ordnungsgemäß eingereist ist. Wir können unsere Freude und Begeisterung nur schwerlich vor den Jungs verbergen, denn wir sind endlich zurück im zweitgrößten Land der Erde. Back again! Hinter Calgary in Carstairs finden wir einen Zeltplatz für schlappe can$ 16, aber was soll's. Heute Abend wird die Rückkehr gefeiert mit DuMauriers und Kokanee [ leckere Zigaretten und ebenso leckeres kanadisches Bier] .