6. Alaska - HighwayNach kurzer Fahrt erreichen wir Dawson Creek / British Columbia (BC) und damit die mile zero des berühmten Alaska - Highway (ALCAN). Es ist die einzige, winteroffene Straßenverbindung nach Alaska und verbindet über 2450 km Streckenverlauf Dawson Creek mit Fairbanks / Alaska (AK). In nur 9 Monaten (!) bauten die Amerikaner 1942 aus Angst vor den Japanern und einer möglichen Invasion diese zunächst unbefestigte Straße. Erst vor wenigen Jahren wurde sie komplett asphaltiert. Nach den obligatorischen Fotos vor dem historical marker und einem Besuch in dem visitor information center, in dem man sich die letzten fehlenden Infos besorgen und sich über den Bau des highways informieren kann, sagen wir nun der Zivilisation endgültig ade und begeben uns in dünn besiedeltes, wildes und einsames Gebiet. Wir sollten nur noch wenige Städte vorfinden und alles was jetzt auf der Karte als Stadt eingezeichnet war, ist nicht mehr als eine Kreuzung mit eins, zwei Häusern, einer Tankstelle und einem truck stop. Bis Fort Nelson / BC fährt man zunächst durch Wald und welliges Farmland und dies entspricht so gar nicht dem Bild, dass man sich gemeinhin vom Verlauf der Straße macht. Auffällig ist schon die ganze Zeit, dass uns zahlreiche trailer [ Wohnmobil; die beliebteste Art zu reisen für Amerikaner] und Autos entgegenkommen, anstatt mit uns nach Norden zu fahren. Sollte es etwa schon zu kalt sein in Alaska? Wir grinsen uns an und lassen es auf uns zukommen. Nach Fort Nelson wird es so richtig interessant. Wir fahren in die Rockies und die Straße schlängelt sich durch dichten Wald, enge Täler begrenzt von schroffen Felsen. Leider regnet es, aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb haben wir die Chance, unser erstes caribou [ vergleichbar mit dem europäischen Rentier in Skandinavien] zu sehen. Auch ein Coyote und die äußerst scheuen Bergschafe sind sich nicht zu schade, von uns auf Polaroid abgelichtet zu werden. Wir sind total happy und Michael, der das alles erstmalig erlebt, ist ganz aus dem Häuschen. Der Höhepunkt der Strecke ist der Muncho Lake im gleichnamigen Provincial Park. Die eindrucksvolle jadegrüne Färbung des Wassers, verursacht durch Kupferoxide, lädt zum Bleiben ein. Wir übernachten auf dem Strawberry Flat Campground und sitzen bei loderndem campfire noch bis lange in die Nacht hinein am See. Stille - Zufriedenheit - Frieden inmitten purer Natur. Neuer Morgen. Business as usual. Wir sind inzwischen ein eingespieltes Team und alles Notwendige läuft wie am Schnürchen: aufstehen, Frühstück mit Quaker Oatmeal [ Haferschleim; ebenfalls instant] für die Jungs und Fluffy - Brot [ Toastbrot; In den USA gibt es so gut wie kein festes Brot. Meistens ist es sehr weich und läßt sich ohne Probleme auf die Hälfte des Volumens zusammenquetschen.] für alle, aufwaschen, abtrocknen, Zelt abbauen, zusammenpacken (das Kisten - System funktioniert prima) und morgendliche Toilette am See. Dank unserer Schnelligkeit bei den üblichen Sachen finden wir sogar noch Zeit, ein morgendliches Feuer "anzuwerfen", um unsere Glieder und den Tee zu wärmen. Es war mit - 3° C die bis dahin kälteste Nacht. Den beiden Männern reicht das jedoch längst nicht aus, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Sie stürzen sich in die nicht weit entfernten Liard Hotsprings. Das bis zu 60° C heiße schwefelige Wasser sprudelt in zwei weitgehend naturbelassene Pools, und Bänke, die unter Wasser installiert sind, laden zum Bad ein. Der hohe Temperaturunterschied zwischen Wasser und umgebender Luft lässt dicke, weiße Nebelschwaden aufsteigen. Märchenwald. Vor unserer nächsten Station in Watson Lake / Yukon Territory (YT) überschreiten wir den 60. Breitengrad. So hoch im Norden war von uns bislang noch keiner. Yukon Territory - the magic and the mystery. Jeder, der schon mal einen Reiseführer von Westkanada in der Hand gehalten hat, wird das Bild von dem riesigen "Schilderwald" in Watson Lake sicherlich kennen.
Bei einem free coffee in der Information beratschlagen wir über den weiteren Verlauf der Reise. Bis hierher war die Route klar gewesen, ab jetzt lassen wir uns treiben. Wir wollen es so richtig einsam und wild! |