9. Alaska - Welcome to the great untouched wildernessDawson City / YT nach Fairbanks/ AKDas Wetter ist bombastisch, als wir uns auf den Weg machen. Nach ein paar kurzen Erledigungen in der Stadt (Fotos abholen, einkaufen) geht es mit der kostenlosen Fähre über den Yukon, die einzige auf einem Flussverlauf von 3185 km. Der Top of the World - Highway, der Dawson City mit Alaska verbindet, ist heutzutage ohne Schwierigkeiten zu befahren. Ihre Bezeichnung erhielt die Straße wegen ihrer eindrucksvollen Streckenführung entlang einer Art Kammlinie mit weiten Ausblicken über die Unendlichkeit des Landes. Zunächst fahren wir nur bergauf, bis wir oberhalb der Baumgrenze sind. Die niedrigen Sträucher, Moose und Flechten haben eine beeindruckende rötliche Herbstfärbung. Die Berghänge, Täler und Hochwiesen sind ein einziges Meer unterschiedlicher Rottöne und die Sonne lässt den Anblick nur noch schöner erstrahlen - bis zum Horizont Natur im Urzustand. Mehrmals halten wir an, um Fotos von der einzigartigen Perspektive zu machen und Beeren und Pilze zu sammeln (Zurück zu den Ursprüngen der Jäger und Sammler!). Tatsächlich finden wir auf den Hochwiesen Unmengen von Blau - und Preiselbeeren. Auf einem Pass ist dann die Staatsgrenze und wir reisen wieder in die USA ein. Die Station besteht aus 4 Blockhütten, in denen die Zollbeamten während des Sommers leben (Mitte September bis Mitte Mai ist die Station nicht besetzt). Ein über die Straße gelegter Schlauch signalisiert den Beamten durch eine Klingel, dass "Kundschaft" wartet. Nach kurzer Zeit kommt ein kauender Beamter, stellt ein paar Fragen und drückt uns den Stempel rein. Die Nacht heute wollen wir in Eagle / AK zelten und fahren deshalb auf dem Taylor Highway Richtung Norden. Es beginnt zu regnen und die Schotterstraße löst sich langsam, aber sicher auf. Wir winden uns abenteuerlich durch ein schmales Tal und dass wir weniger als 5 m sehen können, macht die Sache erst richtig unangenehm. Autos begegnen uns zum Glück keine, aber dafür sehen wir umso mehr Jäger mit Gewehren über der Schulter. Alle Straßenschilder, falls es mal welche gibt, dienen wohl eher als Zielscheibe als für die Regelung des Verkehrs. In Eagle selbst ist auch nicht viel los. Im Regen schlagen wir das Zelt auf und da das Lagerfeuer nicht brennen will, entscheiden wir uns für eine Runde Zwickern [ Kartenspiel] im Zelt. Am nächsten Tag fahren wir dieselbe Strecke zurück mit dem Unterschied, dass es noch stärker regnet, die Straße noch mehr abgerutscht ist und wir die Farbe unseres Autos unter einer zentimeterdicken Kruste nur noch erahnen können. In Tetlin Junction / AK treffen wir wieder auf den Alaska - Highway, den wir damals in Watson Lake / YT verlassen haben. Bis Tok / AK sind es auch nur noch wenige Kilometer, die Sonne scheint inzwischen wieder und wir steuern das information center an. Hier erhalten wir wie üblich die fehlenden Infos und natürlich einen wärmenden coffee for donations, worüber sich unser Zahlmeister Daniel freut wie ein Schneekönig. Ein ausgestopfter Bär in Lebensgröße ist schwer beeindruckend. Auf den Besuch eines solch monströsen Wesens bei der morgendlichen Toilette, beim Frühstück oder wann auch immer möchten wir gerne verzichten - wenn es sich bitte machen ließe! Gegenüber in Young's Cafe gönnen wir uns einen home made burger, fries und rootbeer [ gewöhnungsbedürfiges Cola - artiges Getränk] . Die außergewöhnlich gute Laune der Bedienung macht uns stutzig, aber beim Abkassieren löst sich das Rätsel. Man bereitet sich auf den Winter vor und das heißt in Alaska: Sachen packen und nichts wie weg! Tatsächlich erfahren wir, dass sich ungefähr die Hälfte aller Alaskaner in den warmen Süden verzieht, sobald die Saison vorbei ist. Sollte das ein Zeichen sein? Immerhin wird es tagsüber nicht mehr wärmer als 10° C, die Nächte nicht mehr über - 2° C und der Vorrat an Sachen, die man anziehen kann, ist auch ausgeschöpft. Weiter geht es bis Fairbanks, der zweitgrößten Stadt in Alaska, vorbei an den hohen schneebedeckten Bergen der Alaska Range. Heute ist Steffis großer Tag, denn sie darf erstmals ans Steuer. Bis jetzt sind zum großen Teil die Jungs oder ich gefahren, aber heute hat keiner so richtig Lust. Also ist Steffi dran und bei einem automatikbetriebenen Auto ist das dann auch kein Problem. In Delta Junction / AK erreichen wir das offizielle Ende des Alaska - Highways. Man kann sich sogar eine Urkunde ausstellen lassen, die bestätigt, dass man die Straße bis zum Ende gefahren ist. Touriquatsch, sonst nichts. In North Pole / AK steigert sich der Touristennepp nochmals. Hier ist nämlich das ganze Jahr über Weihnachten, weil hier, am "Nordpol", der Weihnachtsmann wohnt. Der ist schwer beschäftigt mit den langen Wunschzetteln der Kinder aus aller Welt. Wir sind schnell wieder weg, denn Weihnachten ist nun wirklich noch nicht. Da haben wir doch Besseres vor. In Fairbanks gehen wir in die Universität, um einige Zeilen nach Hause zu schreiben via Internet. Nach einem ausgedehnten Lebensmitteleinkauf, denn es werden natürlich nur die allerbesten Schnäppchen gekauft und Michael und Daniel stilisieren das auch zum Urlaubssport, fahren wir zum Zeltplatz. Nichts besonderes, am Stadtrand gelegen, aber die Vermieter sind super nett. Also kommen wir mal wieder zu einem Schwätzchen mit Einheimischen und zu kostenlosem Feuerholz, ganz Alaska untypisch. Die Entdeckung des Tages ist zweifellos die warme Dusche, von der wir auch jeder ausgiebig Gebrauch machen. Wohlig, warm und sauber verputzen wir Reis mit Mais und als besonderes Schmanckerl gibt es Pudding zum Dessert. Für jede bestandene Prüfung seines Vordiploms muss Daniel, weil ich mit ihm gewettet hatte, eine Flasche Wein spendieren - 5 Stück. Wir machen es uns am Lagerfeuer mit dem Wein gemütlich, singen, philosophieren und fallen schließlich auf die Isomatten. |